Auf den ersten Blick könnten die Welten von <strong>Red Bull</strong> und <strong>Viktor Frankl</strong> nicht unterschiedlicher sein: Das energiegeladene Image von Red Bull steht scheinbar im Kontrast zur tiefgründigen Sinnfindung von Viktor Frankl. Doch bei genauerem Hinsehen wird sichtbar, dass beide auf denselben Fundamenten stehen: <strong>Humanismus, Individualität und eine werteorientierte Führung</strong>.
Gemeinsame Grundwerte: Humanismus und Individualität
Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, steht wie kein anderer für Sinnorientierung und Humanismus. Dietrich Mateschitz, Gründer von Red Bull, mag auf den ersten Blick einen konträren Pfad verfolgen, doch auch er teilte eine tiefe Wertschätzung für Frankls Ideale. Mateschitz, der persönlich Vorlesungen von Frankl besuchte, integrierte die Prinzipien des gelebten Humanismus in das Herz seines Unternehmens. Beide Persönlichkeiten lehnten Konformität ab und verfolgten stattdessen das Ideal, dass jeder seinen eigenen, unverwechselbaren Weg gehen sollte.
Viktor Emil Frankl war ein österreichischer Neurologe und Begründer der Logotherapie. Als Holocaust-Überlebender verfasste er das weltweit bekannte Buch "...trotzdem Ja zum Leben sagen" und betonte die Bedeutung des Lebenssinns. Seine Arbeit revolutionierte die Psychotherapie und inspiriert bis heute.
Wingfinder: Von Talenten und Stärken zum Sinn
Red Bull setzt den Wingfinder-Test (bereits beim Recruiting) ein, um Menschen zu unterstützen, ihre individuellen Talente und Stärken zu erkennen und weiterzuentwickeln. Dieses Instrument spannt den Bogen vom Talent hin zur Stärke und so zum Sinn und spiegelt Frankls Überzeugung wider, dass wahre Motivation aus der Sinnfindung erwächst.
"In welchem Kontext kann ich meine Talente am besten entwickeln und einsetzen?" ist eine zentrale Frage, die sowohl in Frankls Theorien als auch in Red Bulls Managementphilosophie eine Rolle spielt.
Erfolgsfaktor Mensch: Die zentrale Rolle im Unternehmen
Bei Mateschitz stand nie die Gewinnmaximierung im Vordergrund, sondern der Mensch mit seinen Ideen. Auch Frankl betonte, dass der Mensch selbst immer der entscheidende Faktor ist – nicht äußere Umstände.
Red Bull setzt auf:
- die Achtung jedes einzelnen Mitarbeitenden
- Raum für Kreativität und Eigenverantwortung
- eine Aufgaben- statt Hierarchieorientierung
Das Ergebnis: außergewöhnliche Leistungen ohne starre Top-down-Strukturen oder Steuerung über reine Finanzkennzahlen.
Freiheit, Unabhängigkeit und Gestaltungswille: Grundpfeiler der Führung
Frankl wie Mateschitz sahen <strong>Freiheit und Eigenverantwortung</strong> als Grundvoraussetzungen für persönliches wie unternehmerisches Wachstum. Diese Prinzipien formen die Basis, auf der Red Bull seine Mitarbeitenden ermutigt, eigenverantwortlich zu handeln und ihre individuellen Stärken zum Vorteil aller einzusetzen.
Dabei ging es ihm zum einen um die Unabhängigkeit von sich selbst, von anderen und sogar um die Unabhängigkeit vom inneren Schweinehund, den eigenen Schwächen, Zweifeln und Stimmungen. Ganz nach dem Motto Viktor Frankls: Man muss sich ja nicht alles von sich selbst gefallen lassen.
Eine neue Ära der Führung
Das Zusammenspiel aus Frankls humanistischen Grundsätzen und Red Bulls dynamischer Unternehmenskultur zeigt, wie moderne Unternehmen erfolgreich bleiben:
Durch <strong>Werteorientierung, Sinnvermittlung und Vertrauen in das Potenzial ihrer Mitarbeitenden</strong>. In einer sich rasant verändernden Welt sind solche Ansätze entscheidend für nachhaltige Innovation und unternehmerischen Erfolg.
Unternehmen definieren sich heute nicht mehr nur über Zahlen – sondern über ihre <strong>Kultur</strong>, ihren <strong>Beitrag</strong> und die Art, wie sie Menschen stärken.
Die Verbindung aus Sinn, Freiheit und Verantwortung ist kein Ideal, sondern ein echter Erfolgsfaktor. Unternehmen, die diese Werte leben, geben ihren Mitarbeitenden nicht nur Orientierung, sondern auch die "Flügel", die sie brauchen, um ihr Potenzial wirklich zu entfalten. Werteorientierte Führung vereint Sinn, Freiheit und Verantwortung – und wird damit zunehmend zur DNA erfolgreicher Unternehmen.
Buchtipp: "Flügel für Menschen und Ideen"
Das Motto von Dietrich Mateschitz – "Flügel für Menschen und Ideen" – ist auch der Titel des Buches von <strong>Volker Viechtbauer</strong>. Es beleuchtet detailliert die Parallelen zwischen Red Bulls Führungsphilosophie und Frankls humanistischem Ansatz. Ein inspirierender Impuls für alle, die moderne, sinnorientierte Führung verstehen und leben möchten.
Katharina Förster
Redakteurin bei der Leaders Academy mit Schwerpunkt auf werteorientierte Führung und Unternehmenskultur.
